19
Feb
2022
In den medien Das Ifri in den Medien
Paul MAURICE, zitiert von Tanja Kuchenbecker in Focus

Wer wird ab April hinter diesem Schreibtisch sitzen?

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gilt bei der kommenden Wahl als Favorit. Er präsentiert sich als europäischer Krisenmanager und erfolgreicher Wirtschaftslenker. Seine schärfsten Konkurrentinnen kommen alle aus dem rechten oder ultrarechten Lager

 

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In der Fabrik der Arabelle-Turbinen in Belfort spricht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit den Arbeitern. Ein paar Dutzend Beschäftigte in Blaumännern umringen den hohen Gast, der auf jede Frage ausführlich antwortet und sich dabei ständig um die eigene Achse dreht, weil er niemandem länger den Rücken zukehren möchte. Macron ist hier, um gute Nachrichten zu verkünden: Zugunsten von Klimaschutz und Energiesicherheit werde der Staat massiv in die Kernenergie investieren, verspricht er. Für die Angestellten der Arabelle-Werke bedeutet das eine langfristige Jobperspektive, denn ihre Turbinen gehören zur Grundausstattung französischer Atomkraftwerke.

Die eigentliche Botschaft dieses Auftritts aber lautet: Macron will es noch einmal wissen, er will wieder Präsident werden. Denn obwohl er offiziell seine Kandidatur noch gar nicht angemeldet hat, ist in Belfort irgendwie allen klar, dass die ehrgeizigen Pläne des jetzigen Amtsinhabers auch künftig unter dessen Ägide verwirklicht werden sollen. Das schwingt wie selbstverständlich mit – als ob Macrons Wiederwahl reine Formsache wäre.

 

Machtvakuum nach Merkels Abgang

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  • Macron will sich nach dem Abtritt von Angela Merkel als neuer starker Mann in Europa zeigen“, sagt Paul Maurice, Experte für deutsch-französische Beziehungen beim Forschungsinstitut Ifri. „Er hat Erfahrung und ist ein überzeugter Europäer. Gleichzeitig demonstriert er damit Frankreichs Macht.“ Das außenpolitische Engagement helfe Macron also doppelt.

„Er nutzt die Ukraine-Krise, um sich als Anführer zu positionieren“, urteilte der private TV-Sender BFM durchaus lobend. Die Gelegenheit dafür war aus Macrons Sicht günstig, schließlich hatte der deutsche Amtskollege lange mit klaren Aussagen und Handlungen gezögert.

Doch die europapolitische Performance allein wird nicht reichen, um als vierter Präsident der Fünften Republik nach Charles de Gaulle, François Mitterrand und Jacques Chirac in eine zweite Amtszeit gewählt zu werden. Seinen Vorgängern Francois Hollande und Nicolas Sarkozy gelang es nicht.

 

Mehr BIP-Wachstum als Deutschland

  • Macron aber schaffe es offenbar, seine Wählerschaft zu halten, betont Politikexperte Maurice. Es könnte der Schlüssel zum Erfolg sein.

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>> Artikel im Printmagazin Focus 8/2022 (S. 42-45) <<

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