Publié le 04/12/2023
Ifri-Montage (SCAF, Air Show, Paris Le Bourget; MGCS; Flaggen von Frankreich und Deutschland)

Johanna MÖHRING

Das zukünftige Luftkampfsystem (FCAS) und der Kampfpanzer der Zukunft (MGCS) sind die letzten bestehenden Projekte einer deutsch-französischen Rüstungskooperation, die sich über die letzten 70 Jahre zieht. FCAS und MGCS verkörpern die deutsch-französisch Zusammenarbeit, die das Herzstück des europäischen Gemeinschaftsprojekts bildet.

Die Entwicklung von technologisch hochwertigen militärischen Kapazitäten durch europäische Akteure, der die europäische Industriebasis stärkt, trägt zur strategischen Autonomie und industriellen Souveränität der EU bei. Der Erfolg oder das Scheitern dieser politisch geführten Programme, die gemeinsam mit anderen europäischen Partnern bewerkstelligt werden, sind von entscheidender Bedeutung und hohem symbolischen und politischen Wert.

 

Seitdem diese Projekte 2017 ins Leben gerufen wurden, haben sie internen Widerstand über die Arbeitsteilung sowie Ausrüstungsspezifikationen hervorgerufen, was zu wiederholten Verzögerungen führte, die Interventionen auf höchster politischer Ebene erforderlich machten. Zwei unterschiedliche Wahrnehmungen sind zu verzeichnen, was zu Dissonanzen führt. Die der Politik, die deutsch-französische Versprechen einlösen möchte, zum einen. Und die der zwei Rüstungsindustrieriesen Dassault Aviation und Rheinmetall, die die Industrie vertreten und deren harte Kritik die Zusammenarbeit überschattet, wenngleich sie sich durch das Hervorbringen von Alternativsystemen den Löwenanteil am Kooperationsprojekt versprechen, zum anderen.

Die Zusammenarbeit von zwei souveränen Staaten, unabhängig von ihrer strategischen Ausrichtung, ist naturgemäß ein schwieriges Unterfangen. Auch wenn viele neue und alte Faktoren die Entwicklung des MGCS und des SCAF sowie die bilateralen Beziehungen im weiteren Sinne belasten, wäre es voreilig, diese durchaus realen Schwierigkeiten als Vorboten des drohenden Endes dieser Programme zu interpretieren. So wie es „Kosten des Nicht-Europas“ gibt, gibt es auch „Kosten der fehlenden deutsch-französischen Zusammenarbeit“.

Die Zukunft der beiden deutsch-französischen Rüstungsprogramme und generell der deutsch-französischen Verteidigungszusammenarbeit wird sich an vier Szenarien orientieren: „Weiterkämpfen“, „Aufgabe der Mission“, „Rettungsoperationen“ und „Akzeptieren, dass wir nicht einer Meinung sind“. 

 

Johanna Möhring ist auf europäische Sicherheit und Verteidigung spezialisiert. Sie hat in Politikwissenschaft promoviert und ist Gastdozentin am Centre Thucydide, Paris-Panthéon-Assas und Associate Fellow am Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Sie ist Botschafterin für Women in International Security (WIIS) Frankreich.

 

Diese Publikation ist auf Englisch verfügbar: Troubled Twins: The FCAS and MGCS Weapon Systems and Franco-German Co-operation [1] (PDF)