Bündnis 90/die Grünen als Bündnispartei? Das Ende einer Illusion
Auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Wiesbaden im November 2024 kürten die Delegierten Robert Habeck zum Kanzlerkandidaten für die vorgezogenen Bundestagswahlen am 23. Februar 2025. Die vor fünfundvierzig Jahren gegründete Protestpartei ist heute fest in der deutschen politischen Landschaft etabliert. Nach dem Zusammenbruch der Ampelkoalition setzen die Grünen auf einen personalisierten Wahlkampf und bedienen einen optimistischen Diskurs, der auf die Gewährleistung eines guten, sozialen und gerechten Lebens ausgerichtet ist.
Nach einem katastrophalen Wahljahr und angesichts der Zurückdrängung der Umwelt- und Klimafragen hinter die Wirtschafts- und Migrationspolitik ist Bündnis 90/Die Grünen mit wesentlichen Herausforderungen konfrontiert. Vor dem Hintergrund vielfältiger Krisen (Krieg in der Ukraine, Populismus, Klimawandel, hohe Lebenshaltungskosten usw.) und einer fragmentierten politischen Landschaft positioniert sich Bündnis 90/Die Grünen als Bollwerk gegen die AfD und versucht, die Wähler von der Vereinbarkeit von industrieller Dekarbonisierung, wirtschaftlichem Aufschwung und sozialer Gerechtigkeit zu überzeugen. Der Erfolg der Grünen wird davon abhängen, ob es ihnen gelingt, die richtige Balance zwischen der Eroberung der politischen Mitte und der Verteidigung einer anspruchsvollen Klima- und Sozialpolitik zu finden.
Annette Lensing ist Hochschuldozentin für Germanistik an der Universität Caen-Normandie, Expertin für ökologische Fragen im heutigen Deutschland und Mitglied des Forschungsteams für Literaturen, Imaginäre und Gesellschaften (EA 4254.
Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar (pdf): "Les Verts allemands comme parti de rassemblement. La fin d’une illusion ?"
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Notes du Cerfa, Nr. 185, Ifri, Februar 2025
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