Nachfolger des Leopard 2: Frankreich und Deutschland starten neues Panzer-Projekt – kann das gelingen?
Mit dem Einstieg der Bundesregierung beim Rüstungsunternehmen KDNS versuchen sich Paris und Berlin erneut an einer Kooperation. Gemeinsam soll der Nachfolger von Leopard 2 und Leclerc gebaut werden.
Die deutsch-französische Freundschaft wird viel beschworen. Doch ausgerechnet bei der Kooperation im Rüstungsbereich hapert es. Wegen Uneinigkeiten der beteiligten Industriekonzerne steht etwa das deutsch-französisch-spanische Projekt des Luftkampfsystems FCAS vor dem Aus.
Dabei ist den Europäern klar, dass sie militärisch stärker und unabhängiger von den USA werden müssen. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung vergangene Woche entschieden, mit 40 Prozent beim Panzerbauer KDNS einzusteigen. Einem Unternehmen, an dem der französische Staat bislang die Hälfte der Anteile hält.
Entwickeln und bauen soll das Unternehmen ein sogenanntes Hauptbodenkampfsystem (Main Ground Combat System, MGCS), das den in die Jahre gekommenen Panzer Leopard 2 und den französischen Leclerc ablösen soll.
Die Vorstellungen von Berlin und Paris darüber, wie stark der Staat bei dem Vorhaben vertreten sein soll, gehen bereits jetzt auseinander. Wie schaut Frankreich auf diese neue Zusammenarbeit?
Alles besser als Rheinmetall
„Für Frankreich ist es erst mal eine gute Nachricht, dass der deutsche Staat und nicht Rheinmetall bei KDNS einsteigt", sagt Jean-Pierre Maulny, stellvertretender Leiter des Pariser Instituts für Internationale und Strategische Beziehungen (IRIS).
Das Düsseldorfer Unternehmen, das zentrale Komponenten für den Leopard-2-Panzer baut, hatte Interesse angemeldet, als zu Beginn des Jahres bekannt wurde, dass KNDS an die Börse gehen will.
Frankreich sei, ebenso wie die Bundesrepublik, an einem Gleichgewicht interessiert – und das sei in dieser Konstellation leichter, sagt Maulny im Gespräch mit dem Tagesspiegel.
Daher hat der französische Staat zugestimmt, seine Anteile auf 40 Prozent zu reduzieren, damit beide Länder gleiches Gewicht haben. Der Verkauf der zehn Prozent beim geplanten Börsengang würde dann auch Geld in die Staatskasse spülen.
Allerdings will die Bundesregierung ihre Anteile absehbar auf 30 Prozent zurückfahren, wenn Frankreich das auch tut. Dieser Plan wurde in Paris sofort skeptisch kommentiert.
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Gibt es gemeinsame Ziele?
Auch Paul Maurice vom französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri) hofft auf mehr Stabilität in der Rüstungszusammenarbeit, wenn diese von den beiden Staaten gelenkt wird.
„Voraussetzung ist allerdings, dass die Ziele wirklich übereinstimmen", warnt der Experte für die bilateralen Beziehungen und Sicherheitspolitik. Divergenzen würden ansonsten früher oder später die Arbeit bedrohen. Die wirkliche Herausforderung für Berlin und Paris sei, „eine gemeinsame strategische Kultur zu entwickeln – oder zumindest eine mit den Wünschen des anderen kompatible".
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Unterschiedliche Kulturen
Paul Maurice vom Institut für Internationale Beziehungen sieht bei KNDS allerdings auch Reibungsflächen zwischen den Regierungen beider Länder aufgrund ihrer unterschiedlichen Traditionen.
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Für Deutschland ist der direkte Einstieg des Staates in strategische Sektoren eine Folge der ‚Zeitenwende'.
Generalsekretär des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri
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Seit Präsident de Gaulle wird die Verteidigungsindustrie in Frankreich als ein direktes Instrument nationaler Macht angesehen, wie Diplomatie oder nukleare Abschreckung.
Generalsekretär des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri
Dies könne zu „politischen und kulturellen Friktionen mit den französischen Gewohnheiten führen – im Hinblick auf Fragen der Steuerung, der technischen Kontrolle oder der gemeinsamen Entscheidungsfindung", fürchtet er. Der Zeithistoriker weist auch darauf hin, dass die massiven deutschen Investitionen in die Rüstungsindustrie in Frankreich generell beunruhigen. Denn: „Damit bekommt Berlin noch mehr Gewicht gegenüber Paris".
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