Dreißig Jahre nach seiner Wiedervereinigung, Deutschlands „europäischer Moment“?
Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland nach vierzig Jahren deutscher Teilung wieder zu einem einigen Staat. Weniger als ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer, am 9. November 1989, wurden die Gebiete der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes Teil der Bundesrepublik Deutschland (BRD).
Der rasche Prozess der deutschen Wiedervereinigung stellt das Gefühl des nationalen Zusammenhalts – sowohl auf territorialer als auch auf sozialer und politischer Ebene - des wiedervereinigten Deutschlands bis heute auf die Probe. Einige Gegenstimmen in den Jahren 1989-1990 hatten geschätzt, dass die Vollendung der Wiedervereinigung „mindestens eine Generation“ dauern würde. Wo steht Deutschland heute, dreißig Jahre später?
In einer Zeit, in der die Corona-Pandemiekrise Europa und die Welt hart trifft, scheinen die Karten sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene neu gemischt zu werden. Auf welche Weise offenbaren die Feierlichkeiten zum dreißigsten Jahrestag der deutschen Einheit die Position Deutschlands gegenüber der Europäischen Union?
Die deutsche Wiedervereinigung kann nicht als ein rein nationales deutsches Phänomen betrachtet werden. Seit 1990 kennen die Prozesse der deutschen Wiedervereinigung und der europäischen Integration ein gemeinsames Schicksal, wobei ihre Erfolge, Misserfolge und Grenzen miteinander verflochten sind. Im November 2019 erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas, dass „die deutsche Einheit auch ein Geschenk Europas an Deutschland ist“. Inwieweit ist die Integration, die die Europäische Union in den letzten 30 Jahren erlebt hat, nicht auch ein „Geschenk“ Deutschlands an Europa?
Paul Maurice ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri.
Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar: "Trente ans après sa réunification, le « moment européen » de l’Allemagne ?"
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