Sozialpolitik in Deutschland: Bilanz der Ampelkoalition und Perspektiven der neuen Regierung
Die Niederlage der „Ampel-Koalition“ bei den vorgezogenen Bundestagsswahlen im Februar 2025 lädt zu einer ersten, notwendigerweise selektiven Bilanz der im Laufe ihrer Amtszeit durchgeführten Sozialpolitik ein.
Die in diesem Bereich eingeleiteten Reformen – sowohl ihr Inhalt als auch ihre Grenzen – spiegeln die politischen Spannungen und die internen Machtverhältnisse in dieser heterogenen Allianz wider. Die Bewältigung der Energiekrise, die durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ausgelöst wurde, ist ein zentraler Ausgangspunkt. Die Antworten auf diese Krise haben das Ungleichgewicht im Haushalt verstärkt und zum Auseinanderbrechen der Koalition im Herbst 2024 geführt. Vor diesem Hintergrund werden mehrere wichtige soziale Reformen unter dem Aspekt der unterschiedlichen Ergebnisse analysiert, die durch die internen Konflikte innerhalb der Koalition verursacht worden sind: die Erhöhung des Mindestlohns, die Entwicklung der Unterstützung für Langzeitarbeitslose sowie die Anpassungen der Rentensysteme und der Pflegekosten im Kontext einer fortschreitenden alternden Bevölkerung.
Arnaud Lechevalier ist Professor an der Universität Paris 1 Panthéon Sorbonne, wo er Wirtschaftswissenschaften und Soziologie unterrichtet. Er ist außerdem am Forschungslabor LISE (Interdisziplinäres Forschungslabor für Wirtschaftssoziologie) tätig. Er war mehrere Jahre lang Gastprofessor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).
Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar (pdf): "Les politiques sociales en Allemagne : bilan de la coalition « feu tricolore » et perspectives du nouveau gouvernement".
Inhalte verfügbar in :
DOI
Notes du Cerfa, Nr. 188, Juli 2025
Verwendung
So zitieren Sie diese VeröffentlichungTeilen
Verwandte Zentren und Programme
Weitere Forschungszentren und ProgrammeMehr erfahren
Unsere VeröffentlichungenDie Landtagswahlen 2026 in Baden-Württemberg: Erster Test für die schwarz-rote Bundesregierung von Kanzler Merz?
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026 stellt den ersten großen Stimmungstest für die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz dar. Gleichzeitig ist Baden-Württemberg eines der Bundesländer, das – als wichtiger Standort der deutschen Automobilindustrie und ihrer Zulieferbetriebe – besonders von der durch Klimawandel und die internationale Konfliktkonstellation getriebenen Transformationspolitik betroffen ist.
Bundeswehr: Von der Zeitenwende zum Epochenbruch
Die von Olaf Scholz am 27. Februar 2022 angekündigte Zeitenwende schaltet einen Gang höher. Finanziert durch die Verfassungsreform der „Schuldenbremse” vom März 2025 und getragen von einem breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens zugunsten der Stärkung und Modernisierung der Bundeswehr, dürften die militärischen Kapazitäten Deutschlands in den nächsten Jahren rasch zunehmen. Vor dem Hintergrund sich wandelnder transatlantischer Beziehungen wird Berlin eine zentrale Rolle bei der Verteidigung des europäischen Kontinents zukommen, wodurch sich seine politisch-militärische Position auf dem Kontinent radikal verändert.
ESSI: Wie können die Divergenzen überwunden werden?
Die European Sky Shield Initiative hat zu zahlreichen Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland geführt. Fortschritte sind jetzt in Sicht.
Deutsch-französische Impulse für eine europäische Verteidigungspolitik – zwischen Gestaltungsanspruch und Defiziten
Mehr als 60 Jahre nach dem Élysée-Vertrag und sieben Jahre nach dem Vertrag von Aachen bleibt das deutsch-französische Tandem ein zentraler Machtfaktor innerhalb der Europäischen Union. Beide Länder bündeln einen erheblichen Teil des europäischen Bruttoinlandsprodukts, der industriellen Kapazitäten und der politischen Gestaltungsmacht. Gleichzeitig ist das Kräfteverhältnis im Jahr 2026 asymmetrischer geworden. Deutschland tritt unter Kanzler Friedrich Merz selbstbewusst als finanz- und sicherheitspolitisches Schwergewicht auf, während Frankreich politisch geschwächt ist.