Suche auf ifri.org

Über ifri

Häufige Suchanfragen

Suggestions

Warum Steinmeier jetzt erst zum ersten Staatsbesuch nach Frankreich aufbricht

Medienbeitrag |

interviewt von Birgit Holzer im

  Augsburger Allgemeine 

 
Accroche

Zum ersten Mal seit 13 Jahren macht wieder ein deutscher Bundespräsident einen Staatsbesuch in Frankreich. Nicht nur für Frank-Walter Steinmeier wird es ein Abschiedstermin.

Image principale médiatique
Emmanuel Macron, en visite d'État en Allemagne, avec Frank-Walter Steinmeier, conférence de presse, Berlin - 26 mai 2024
Emmanuel Macron, en visite d'État en Allemagne, avec Frank-Walter Steinmeier, conférence de presse, Berlin - 26 mai 2024
News Agency Germany/Shutterstock
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
body

Gegenseitige Besuche der politischen Führungsriege aus Deutschland und Frankreich sind zwar häufig, doch offizielle Staatsbesuche bleiben hingegen rar und gelten als ausgesuchte Ehre. Vor 13 Jahren war zuletzt mit Joachim Gauck ein deutscher Bundespräsident in Frankreich eingeladen, damals von François Hollande. Dessen Nachfolger Emmanuel Macron wiederum empfängt nun Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zu einem dreitägigen Staatsbesuch.

Es wird, so heißt es aus deutschen Regierungskreisen, eine Art Abschiedsbesuch, denn beide Politiker befinden sich jeweils am Ende ihrer Amtszeit: Macron tritt nach den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 ab, Steinmeier kurz zuvor im März.

Regierungen in Berlin und Paris stehen unter Druck
Von dem Staatsbesuch soll laut Berlin ein Signal der „Ermutigung und Aufhellung in schwierigen Zeiten“ ausgehen, herrsche doch links wie rechts des Rheins eine „Krise des Selbstvertrauens und des Vertrauens in die Zukunft“. Beide Regierungen stehen massiv unter Druck: Die Koalition in Berlin und an erster Front Bundeskanzler Friedrich Merz sind seit den jüngsten Landtagswahlen in der Defensive, die Regierung in Paris steht einer heftigen Schüler-Revolte gegenüber und muss in einer schwierigen Finanzlage einen Sparhaushalt für 2027 durchbringen.

Auch die brisante außenpolitische Lage vom anhaltenden Krieg in der Ukraine bis zu den Herausforderungen durch US-Präsident Donald Trump belastet die Achse Paris-Berlin. Symbolträchtig für die Probleme bei der Konsensfindung erschien das endgültige Aus für das deutsch-französische Luftkampfsystem der Zukunft FCAS vor wenigen Monaten.

Texte citation
Die Staatsvisite könne wie Öl im Getriebe wirken, sagt Paul Maurice, Generalsekretär des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen am französischen Institut für internationale Beziehungen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Bundespräsident Steinmeier habe zwar keine Entscheidungsgewalt, aber er reise mit politischen Verantwortlichen an, darunter Ministern und Abgeordneten, den Ministerpräsidenten der drei an Frankreich grenzenden Bundesländern und Vertretern der Wirtschaft, um den Austausch zu suchen.

Photo
paul_couleur_2.jpg
Paul MAURICE
Intitulé du poste

Generalsekretär des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri

body
  • „Symbolträchtige Gesten und Besuche waren immer wichtig für die deutsch-französischen Beziehungen, sie sind notwendig, aber reichen nicht aus, sondern müssen begleitet werden von mutigen politischen Entscheidungen“, betont der Politikexperte Maurice.

Tatsächlich habe sich Macron seit seiner Wahl 2017 für mehr europäische Souveränität eingesetzt und in der Sorbonne-Rede zur Zukunft Europas zahlreiche Vorschläge gemacht. „Die deutsch-französische Beziehung stand dabei für ihn im Zentrum, aber von deutscher Seite gab es kaum Antworten“, erklärt der Politikwissenschaftler. Zehn Jahre später habe sich der strategische Kontext in Europa gewandelt, sowohl außen- wie auch innenpolitisch mit dem Aufstieg der Rechtsextremen und wirtschaftlichen Problemen.

  • „In Deutschland kommt die französische Vision gut an, aber die politische und budgetäre Situation beunruhigt und wir stehen der Gefahr eines nationalen Rückzugs anstatt einer Öffnung gegenüber“, sagt Maurice in Anspielung auf die Präsidentschaftswahl.

Marine Le Pen inszeniert Deutschland als Feindbild

Die Rechtsextreme Marine Le Pen führt in allen Umfragen klar. Sie hat stets verdeutlicht, dass sie gegen mehr europäische Integration und eine enge Verquickung mit dem Nachbarland ist. Deutschland präsentiert Le Pen als Feindbild.

Auch vor diesem Hintergrund werden die Debatten um die erweiterte nukleare Abschreckung vorangetrieben, mitunter um vor dem anstehenden Regierungswechsel Fakten zu schaffen. Macron hatte diese angeboten, um auch andere europäische Länder von den französischen Atomwaffen profitieren zu lassen, ohne dass diese eine Verfügungsgewalt über sie bekommen. Konkret geht es dabei zunächst um gemeinsame Übungen und strategischen Austausch.

Texte citation
Deutschland, das das Angebot inzwischen explizit angenommen hat, soll erstmals an einer französischen Nuklearübung teilnehmen. Nukleare Teilhabe nach US-amerikanischem Vorbild bedeutet dies allerdings nicht. Maurice zufolge handelt es sich um eine „interessante sicherheitspolitische Initiative, die gut koordiniert und komplementär zur nuklearen Teilhabe Deutschlands im Rahmen der Nato ist“. Aus französischer Sicht verstärke sie die europäische Autonomie, aus deutscher handle es sich um eine „strategische Risikominderung“.

Photo
paul_couleur_2.jpg
Paul MAURICE
Intitulé du poste

Generalsekretär des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri

body

>>> >> Den Artikel lesen in der Augsburger Allgemeine.

Decoration

Medien:

Nom du journal, revue ou émission
Augsburger Allgemeine

Journalist(en)

Journaliste
Birgit Holzer

Teilen

Decoration
Authors
Photo
paul_couleur_2.jpg

Paul MAURICE

Intitulé du poste

Generalsekretär des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri

Seitenbildnachweis
Emmanuel Macron, en visite d'État en Allemagne, avec Frank-Walter Steinmeier, conférence de presse, Berlin - 26 mai 2024
News Agency Germany/Shutterstock