Deutschland und die Wirtschafts- und Währungsunion. Zwischen der Suche nach mehr europäischer Integration und dem Beharren auf nationalen Interessen
Deutschland ist der Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion nur sehr zögerlich beigetreten und hat versucht, den Geist und die Funktionsregeln der Union zu diktieren.
Die Verteidigung dieser Regeln erklärt Berlins Verteidigung des Primats der Währungsstabilität, der Haushaltsstrenge, des Kampfes gegen Defizite und Staatsverschuldung und der Strukturreformen. Aber auch die Bundesrepublik Deutschland hat sich bei vielen Gelegenheiten flexibel gezeigt, auch wenn sie die Einhaltung der von ihr selbst aufgestellten Regeln in Frage stellt. Denn die Euro-Zone ist nicht nur ein Wirtschaftsprojekt, das auf die Stabilisierung des EU-Binnenmarktes ausgerichtet ist. Es ist auch ein politisches und sogar strategisches Projekt, das dazu beiträgt, Europa in einem zunehmend wettbewerbsorientierten und sogar konfliktreichen Umfeld zu stabilisieren. Die von den Deutschen getroffenen Entscheidungen zur Wiederbelebung der Wirtschaft, um den Auswüchsen der Covid-19 Krise zu begegnen, zeugen davon.
Hans Stark ist Professor für zeitgenössische deutsche Landeskunde und Berater für die deutsch-französischen Beziehungen im Ifri.
- Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar: Allemagne d'aujourd'hui, n° 233, juillet-septembre 2020 (S. 81-93).
Verwandte Zentren und Programme
Weitere Forschungszentren und ProgrammeMehr erfahren
Unsere VeröffentlichungenDie deutsche Wirtschaft wieder ankurbeln: zwischen wirtschaftlichen, sozialen und verteidigungspolitischen Erfordernissen
Deutschland steht vor der Infragestellung der Grundlagen seines Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells und verliert die Orientierung. Das deutsche Nachkriegsmodells, das auf der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik Deutschland beruht, und das jahrzehntelang mit Erfolg und Wohlstand gekrönt war, gerät stetig ins Wanken. Die bisher latente Angst vor Deindustrialisierung wird immer konkreter, insbesondere durch die Schwächung eines Schlüsselsektors: der Automobilindustrie.
Ein Jahr Merz: Neustart gelungen – oder enttäuschte Erwartungen?
Im Wahlkampf hatte Friedrich Merz in Polen und Frankreich viele Hoffnungen geweckt. Wir haben zwei Experten gefragt, was ein Jahr später davon geblieben ist.
Inkrafttreten des EU-Mercosur-Abkommens: Letzter Akt eines endlosen Dramas für Deutschland?
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am 20. Januar 2026 erklärte Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission: „Geopolitische Schocks können und müssen eine Chance für Europa sein.“
Die deutsch-indischen Beziehungen: wertegeleiteter oder interessensgeleiteter Partner?
Kaum ein anderes asiatisches Land hat in den letzten Jahren eine solche Aufwertung in der deutschen Außenpolitik erfahren wie Indien.