Die „Huawei-Saga 2.0“ – Europa und Deutschland zwischen Abhängigkeit und Souveränität
Zwar bemühte sich die Europäische Union mit ihrem „5G-Werkzeugkasten“ um eine koordinierte Reaktion beim Ausbau der 5G-Infrastruktur in Europa, doch gingen die Mitgliedstaaten bei der Abwägung politischer, wirtschaftlicher und technologischer Interessen deutlich auseinander. Deutschland – trotz seiner engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit China und seiner Rolle als größter Telekommunikationsmarkt Europas – kam erst im Juli 2024 zu einer vagen Einigung, die weitgehend symbolischen Charakter trägt.
Dieser Kompromiss Ausdruck ist tiefsitzender institutioneller Spannungen und einer anhaltenden Zurückhaltung, die Abhängigkeit von chinesischer Technologie konsequent zu reduzieren – und das trotz zunehmender geopolitischer und sicherheitspolitischer Bedenken. Europa muss aus der zerklüfteten 5G-Erfahrung Lehren ziehen, um für die kommende 6G-Generation besser gewappnet zu sein. Eine zukunftsorientierte 6G-Strategie sollte auf Netzvielfalt, stärkere Verschlüsselung und eine geringere Abhängigkeit von risikobehafteten Anbietern setzen, um europäische Souveränität und digitale Resilienz zu sichern. Ein verbindlicherer und kohärenterer EU-Rahmen wäre nötig, um den Ausbau der nächsten Generation mobiler Netzwerke gemeinsam zu gestalten.
Tim Rühlig ist Senior Analyst am Europäischen Institut für Sicherheitsstudien (EUISS) und beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Europa und China, der chinesischen Außen- und Technologiepolitik sowie der Politik Hongkongs. Seine Arbeit untersucht die Rolle Chinas bei der globalen Standardisierung, den US-chinesischen Technologiewettbewerb und die Auswirkungen auf Europa. Er hat einen Doktortitel von der Universität Frankfurt und einen Abschluss in internationalen Beziehungen, Politikwissenschaft und Kulturanthropologie.
Diese Publikation ist auf Englisch verfügbar (pdf): "The “Huawei Saga” in Europe Revisited: German Lessons for the Rollout of 6G".
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Notes du Cerfa, Nr. 187, Ifri, Juni 2025
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