Die SPD zwischen programmatischer Neuausrichtung und politischer Kontinuität?
Wie die meisten sozialdemokratischen Parteien Europas befindet sich auch die SPD seit mehreren Jahrzehnten in einer tiefen Krise. Die Politik der „neuen Mitte“, die Gerhard Schröder 1998 und 2002 den Weg ins Kanzleramt ebnete, wird seither von der traditionellen Wählerbasis der Partei als Verrat angesehen.
Seitdem versuchen die Sozialdemokraten, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, um die Stimmen der Arbeiter und Angestellten zurückzugewinnen, auch auf die Gefahr hin, ihre postmaterialistischen Wähler in den Innenstädten zu verlieren. Die SPD versucht, beiden Kategorien gerecht zu werden und stellt doch weder die eine noch die andere von ihnen zufrieden. Dieser Beitrag versucht, die Bemühungen der SPD zu analysieren, ihre Wählerschaft zurückzugewinnen und, wenn möglich, die Wahlen im September 2021 zu gewinnen..
Dr. Etienne Dubslaff ist promovierter Historiker und akademischer Oberrat für deutsche Geschichte und Landeskunde an der Universität Paul-Valéry Montpellier 3 und Mitglied der Forschungsgruppe Centre de Recherches et d'Études Germaniques (CREG - EA4151). Vor kurzem hat er die Monographie „Oser plus de social-démocratie. La recréation et l’établissement du Parti social-démocrate en RDA“, Peter Lang (2019) veröffentlicht.
Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar: "Le SPD entre réorientations programmatiques et permanence politique ?" (pdf).
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Mehr als 60 Jahre nach dem Élysée-Vertrag und sieben Jahre nach dem Vertrag von Aachen bleibt das deutsch-französische Tandem ein zentraler Machtfaktor innerhalb der Europäischen Union. Beide Länder bündeln einen erheblichen Teil des europäischen Bruttoinlandsprodukts, der industriellen Kapazitäten und der politischen Gestaltungsmacht. Gleichzeitig ist das Kräfteverhältnis im Jahr 2026 asymmetrischer geworden. Deutschland tritt unter Kanzler Friedrich Merz selbstbewusst als finanz- und sicherheitspolitisches Schwergewicht auf, während Frankreich politisch geschwächt ist.
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