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Merz' Europapolitik: das Ende vom "German vote"?

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Friedrich Merz’ Ziel ist es, Deutschland von der oft zögerlichen Rolle der vergangenen Jahre zu einem klar erkennbaren Gestaltungsakteur in der Europäischen Union zu machen, der seine Verantwortung für die europäische Integration offensiv wahrnimmt. Kern dieses Anspruchs ist das Versprechen, den „German vote“ zu überwinden – also jene Konstellationen, in denen Deutschland aufgrund innerstaatlicher Abstimmungsprobleme in Brüssel keine eindeutige Position bezieht und so die europäische Entscheidungsfindung blockiert.

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Press statement by Federal Chancellor Friedrich Merz on the introduction of personal commercial investments by Federal Chancellor Martin Blessing in Germany – Berlin, September 22, 2025
Press statement by Federal Chancellor Friedrich Merz on the introduction of personal commercial investments by Federal Chancellor Martin Blessing in Germany – Berlin, September 22, 2025
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Auf inhaltlicher Ebene stützt sich die Europapolitik von Merz auf zwei eng verbundene Leitlinien: Stärkung der europäischen Souveränität und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Bundesregierung setzt dafür auf einen gezielten Abbau bürokratischer Belastungen sowie auf eine Industriepolitik, die Innovation, Energiepolitik und den Binnenmarkt ins Zentrum stellt, um ein weiteres Zurückfallen der EU gegenüber den USA und China zu verhindern.

In der Praxis zeigen die ersten Monate der CDU/CSU‑SPD‑Koalition allerdings, wie stark diese Agenda durch parteipolitische Konflikte und verfestigte Verfahrensroutinen gebremst wird. Taktische Enthaltungen, das Umgehen etablierter Koordinationswege und Rivalitäten zwischen Ministerien sind weiterhin ein wiederkehrendes Muster und unterminieren den Anspruch, den „German vote“ tatsächlich hinter sich zu lassen.

Auf europäischer Bühne setzt Merz auf eine stärker intergouvernemental geprägte Arbeitsweise. Er will die klassische deutsch-französische Achse, das Weimarer Dreieck sowie weitere kleinere Formate wie Weimar+ oder E3 nutzen, um eine handlungsfähigere europäische Sicherheits‑ und Verteidigungspolitik zu formieren und gleichzeitig neue Impulse für die wirtschaftliche Erneuerung der EU zu geben. Gerade diese stärker machtpolitische Rollenauffassung nährt jedoch ambivalente Reaktionen: Sie weckt bei vielen Partnern die Erwartung klarer deutscher Führung, schürt aber zugleich Befürchtungen vor einer zu sehr an eigenen Interessen orientierten „Germany‑first“-Linie.

Damit steht Merz unter erheblichem Zeitdruck. Das Zeitfenster, um insbesondere mit Frankreich eine tragfähige europäische Agenda für die Zeit nach 2027 zu entwickeln, ist begrenzt – nicht zuletzt wegen der innenpolitisch fragilen Ausgangslage in Berlin und Paris.

 

Jeanette Süß ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri), wo sie sich insbesondere mit der Europäischen Union und den deutsch-französischen Beziehungen befasst.

 

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Jeanette SÜẞ

Intitulé du poste

Research Fellow, Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri

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Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa)
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Das Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) wurde 1954 durch eine zwischenstaatliche Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich gegründet, um die Kenntnisse über Deutschland in Frankreich zu vertiefen und die deutsch-französischen Beziehungen, einschließlich ihrer europäischen und internationalen Dimensionen, zu analysieren. Durch seine Konferenzen und Seminare, die Experten, politische Entscheidungsträger, hochrangige Funktionäre und Vertreter der Zivilgesellschaft beider Länder zusammenbringen, fördert das Cerfa die deutsch-französische Debatte und regt politische Vorschläge an. Es veröffentlicht regelmäßig Studien in zwei Reihen: den « Notes du Cerfa » und den « Visions franco-allemandes ».

Das Cerfa unterhält enge Beziehungen zu deutschen Stiftungen und Think Tanks. Neben seiner Forschungs- und Debattenarbeit fördert das Cerfa die Entstehung einer neuen deutsch-französischen Generation durch originelle Kooperationsprogramme. So führte das Cerfa 2021-2022 ein Programm über Multilateralismus in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Paris durch. Dieses Programm richtete sich an junge Fachkräfte aus beiden Ländern, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeiten für die Herausforderungen des Multilateralismus interessieren. Es umfasste eine breite Palette von Themen im Zusammenhang mit Multilateralismus, wie internationalen Handel, Gesundheit, Menschenrechte und Migration, Nichtverbreitung und Abrüstung. Zuvor hatte das Cerfa am deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen, der von 2007 bis 2020 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung geleitet wurde, sowie an der Gruppe Daniel Vernet (ehemals Deutsch-Französische Reflexionsgruppe), die 2014 auf Initiative der Stiftung Genshagen gegründet wurde.

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