Deutschland im Schatten der Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas – Systemische Paradigmenwechsel
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seinen Wohlstand auf einer internationalen Weltordnung aufgebaut, die auf Freihandel, Multilateralismus und geopolitischer Stabilität beruht. Dieses Modell stützte sich auf drei Beziehungen, die sich gegenseitig ergänzten: den militärischen Schutz durch die USA, die Energieversorgung durch Russland und die wirtschaftliche Integration mit China. Über mehrere Jahrzehnte hinweg betrachtete Berlin diese gegenseitigen Abhängigkeiten als Faktoren für Frieden, Wachstum und Sicherheit.
Doch dieses Umfeld hat sich grundlegend verändert. Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus, der Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht haben die strategischen Schwachstellen Deutschlands deutlich gemacht. Die Vereinigten Staaten stellen die Grundlagen der transatlantischen Partnerschaft in Frage, untergraben multilaterale Institutionen und nutzen ihre militärische und wirtschaftliche Überlegenheit als Druckmittel. Russland hat die Illusion einer friedlichen Annäherung auf der Grundlage der energiepolitischen Verflechtung endgültig zunichte gemacht. China hat sich zu einem gefürchteten industriellen Konkurrenten, einem unverzichtbaren Handelspartner und zunehmend auch zu einer Quelle besorgniserregender technologischer und strategischer Abhängigkeiten entwickelt.
Hans Stark ist Professor für zeitgenössische deutsche Zivilisation an der Sorbonne Université. Von März 1991 bis März 2020 war er Generalsekretär Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri. Seit März 2020 ist er Berater für die deutsch-französischen Beziehungen am Ifri, wo er den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die deutsche Außen- und Europapolitik legt.
Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar (PDF): « L’Allemagne face au triangle Etats-Unis, Russie, Chine – des changements de paradigme systémiques ».
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