Frankreich und Deutschland: Trotz Divergenzen die europäische Souveränität stärken
Der mit dem Amtsantritt von Friedrich Merz als Bundeskanzler im Mai 2025 eingeleitete deutsch-französische „Neustart“ und seine Konkretisierung im Rahmen des Deutsch-Französischen Ministerrats (DFMR) in Toulon im August 2025 verfolgten das Ziel, den strukturellen Belastungen der bilateralen Beziehungen entgegenzuwirken. Gleichwohl lässt sich feststellen, dass die formulierten Ambitionen bislang nur teilweise umgesetzt wurden. Seit Anfang des Jahres 2026 befinden sich die deutsch-französischen Beziehungen in einer Phase, in der sich kurzfristige Spannungen mit grundlegenderen Divergenzen hinsichtlich politischer Prioritäten, des politischen Handlungsstils sowie der strategischen Kultur überlagern.
Vor dem Hintergrund tiefgreifender geopolitischer Umbrüche darf der nächste Deutsch-Französische Ministerrat (DFMR) nicht als bloße bilaterale Ritualveranstaltung verstanden werden. Vielmehr sollte er als ein schlankes Entscheidungsformat ausgestaltet werden, das sich auf eine begrenzte Zahl strategischer Prioritäten konzentriert und mit operativen Zielvorgaben, verbindlichen Follow-up-Mechanismen sowie dem ausdrücklichen politischen Willen verbunden ist, bestehende Meinungsverschiedenheiten aktiv zu bearbeiten, anstatt sie weiter aufzuschieben.
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Kernpunkte
Angesichts der aktuellen Herausforderungen muss der deutsch-französische Motor zu einem pragmatischen Steuerungsinstrument weiterentwickelt werden, das den veränderten Rahmenbedingungen der bilateralen Beziehungen Rechnung trägt.
Die deutsch-französische Zusammenarbeit sollte sich auf die Kernbereiche der europäischen Souveränität – insbesondere Verteidigung und Digitalisierung – konzentrieren und dabei auf gemeinsamen operativen Prioritäten sowie einer klaren Governance aufbauen.
Das deutsch-französische Tandem muss weiterhin die treibende Kraft der Reform der Europäischen Union bleiben, indem es die Erweiterung der Union und die Stärkung der europäischen Souveränität durch institutionelle und finanzielle Anpassungen begleitet.
Die deutsch-französische Arbeitsmethode sollte den Deutsch-Französischen Ministerrat (DFMR) zu einem wirkungsvollen Instrument strategischer Steuerung weiterentwickeln, das auf klar definierten Prioritäten, einem systematischen Monitoring und messbaren Ergebnissen beruht.
Paul Maurice ist Generalsekretär des Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri, wo er sich insbesondere mit Fragen der deutschen Innenpolitik, den deutsch-französischen Beziehungen im Rahmen der Europäischen Union und der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik befasst.
- Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar: "France-Allemagne : dépasser les différends pour renforcer la souveraineté européenne".
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