Nach dem Mali, welches Engagement Deutschlands in der Sahelzone?
Deutschland engagiert sich trotz der Vorbehalte seiner öffentlichen Meinung für eine sicherheitspolitische Unterstützung der Sahelzone, insbesondere durch seine Beteiligung an der Ausbildungsmission der Europäischen Union in Mali (European Union Training Mission, EUTM) und seit kurzem auch in Niger sowie an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA).
Die Sicherheitslage in der Zentralsahelzone hat sich trotz des großen Engagements der internationalen Gemeinschaft seit einem Jahrzehnt stark verschlechtert. Die Ankunft des russischen privaten Sicherheitsunternehmen und Militärunternehmen Wagner Gruppe in Mali führte zur Aussetzung der Ausbildungskomponente der EUTM und damit zum deutschen Rückzug. Nach der Ankündigung des Rückzugs der französischen Operation Barkhane beschloss Berlin hingegen, seine Beteiligung an der MINUSMA um ein Jahr zu verlängern und die Zahl der Soldaten zu erhöhen. Diese Mission ist derzeit das größte Sicherheitsengagement Deutschlands seit seinem Abzug aus Afghanistan im Sommer 2021. Das Sicherheitsengagement ergänzt die Rolle, die Berlin in diesem Gebiet spielt, in einer Zeit, in der der französische Partner seine Segel streicht, und vor dem Hintergrund eines immer härter werdenden strategischen Wettbewerbs südlich der Sahara. Berlin will in diesem Rahmen seine Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft verstärken und seine öffentliche Entwicklungshilfe akzentuieren.
Alain Antil ist der Direktor des Sub-Sahara-Afrika-Zentrums des Ifri. Er arbeitet zu politischen Fragen in Mauretanien und zu Sicherheitsfragen in der Sahelzone.
Paul Maurice ist Research Fellow im Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am Ifri, wo er sich insbesondere mit Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland.
Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar: "Après le Mali, quel engagement de l’Allemagne au Sahel ?" (pdf)
Welchen Beitrag leistet die nukleare Abschreckung Frankreichs zur Verteidigung Europas?
Die französische nukleare Abschreckung dient in erster Linie der Verteidigung der lebenswichtigen Interessen Frankreichs, trägt jedoch auch zur Verteidigung Europas bei. Dieser Beitrag Frankreichs wird innerhalb des Atlantischen Bündnisses seit 1974 anerkannt, ist jedoch nach wie nicht in der Breite bekannt. Anlässlich einer Rede, die von den europäischen Partnern Frankreichs, aber auch von seinen Gegnern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde, kündigte Präsident Emmanuel Macron nun ein neues Konzept für die nukleare Abschreckung Frankreichs an: das der „vorgelagerten Abschreckung“ (dissuasion avancée). Der vorliegende Artikel erläutert die Entstehungsgeschichte dieses Konzepts, seine wesentlichen Bestandteile sowie die in diesem Rahmen angestrebten Partnerschaften. Im Weiteren erörtert er den Bezug zur amerikanischen Doktrin der erweiterten Abschreckung (extended deterrence) und schließt mit einigen ethischen Überlegungen.
Frankreich und Deutschland: Trotz Divergenzen die europäische Souveränität stärken
Der mit dem Amtsantritt von Friedrich Merz als Bundeskanzler im Mai 2025 eingeleitete deutsch-französische „Neustart“ und seine Konkretisierung im Rahmen des Deutsch-Französischen Ministerrats (DFMR) in Toulon im August 2025 verfolgten das Ziel, den strukturellen Belastungen der bilateralen Beziehungen entgegenzuwirken. Gleichwohl lässt sich feststellen, dass die formulierten Ambitionen bislang nur teilweise umgesetzt wurden. Seit Anfang des Jahres 2026 befinden sich die deutsch-französischen Beziehungen in einer Phase, in der sich kurzfristige Spannungen mit grundlegenderen Divergenzen hinsichtlich politischer Prioritäten, des politischen Handlungsstils sowie der strategischen Kultur überlagern.
Deutschland im Schatten der Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas – Systemische Paradigmenwechsel
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seinen Wohlstand auf einer internationalen Weltordnung aufgebaut, die auf Freihandel, Multilateralismus und geopolitischer Stabilität beruht. Dieses Modell stützte sich auf drei Beziehungen, die sich gegenseitig ergänzten: den militärischen Schutz durch die USA, die Energieversorgung durch Russland und die wirtschaftliche Integration mit China. Über mehrere Jahrzehnte hinweg betrachtete Berlin diese gegenseitigen Abhängigkeiten als Faktoren für Frieden, Wachstum und Sicherheit.
Die deutsche Wirtschaft wieder ankurbeln: zwischen wirtschaftlichen, sozialen und verteidigungspolitischen Erfordernissen
Deutschland steht vor der Infragestellung der Grundlagen seines Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells und verliert die Orientierung. Das deutsche Nachkriegsmodells, das auf der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik Deutschland beruht, und das jahrzehntelang mit Erfolg und Wohlstand gekrönt war, gerät stetig ins Wanken. Die bisher latente Angst vor Deindustrialisierung wird immer konkreter, insbesondere durch die Schwächung eines Schlüsselsektors: der Automobilindustrie.