Zwischen Protest und Machtanspruch: Die AfD vor den Landtagswahlen im Osten
Die Landtagswahlen im September werden zeigen, inwieweit sich die AfD von einer Protestpartei zu einer potenziellen Regierungspartei entwickelt, vor dem Hintergrund einer zunehmenden politischen Fragmentierung und wachsenden Unzufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz und seiner Koalition. Während die AfD im Osten Deutschlands fest etabliert ist, gewinnt sie auch im Westen an Boden und wirft damit grundlegende Fragen zur Koalitionsbildung und zur künftigen Entwicklung der deutschen Politik auf.
Die Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt sowie am 20. September 2026 in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben eine erhebliche bundespolitische Bedeutung. Sie werden zu einem Glaubwürdigkeitstest für die derzeitige Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz.
1. Die AfD etabliert sich als stärkste politische Kraft in den ostdeutschen Ländern. Mit der möglichen erstmaligen Übernahme der Führung einer Landesregierung durch eine rechtsextreme Partei in Sachsen-Anhalt wird die AfD nicht mehr nur als Protestpartei, sondern zunehmend als politische Kraft wahrgenommen, die in der Lage ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen.
2. Die Bildung stabiler Mehrheiten wird zunehmend schwieriger, da keine andere politische Partei bereit ist, eine Koalition mit der AfD einzugehen.
3. Die CDU könnte zudem dazu gezwungen sein, ihre Entscheidung, jegliche Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke auszuschließen, zu überdenken. Die Linke könnte bei diesen Wahlen eine entscheidende Rolle als Mehrheitsbeschafferin spielen.
4. Die Auswirkungen dieser Wahlen gehen weit über die drei betroffenen Länder hinaus. Ein Wahlsieg der AfD würde von Deutschlands europäischen Partnern als bedeutendes politisches Signal und zugleich als persönlicher Rückschlag für Bundeskanzler Friedrich Merz und seine CDU-SPD-Koalition wahrgenommen werden.
Jeanette Süß ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) am französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri), wo sie sich insbesondere mit der Europäischen Union und den deutsch-französischen Beziehungen befasst.
- Diese Publikation ist auf Französisch verfügbar (pdf): "Entre protestation et conquête du pouvoir : l'AfD à l'approche des élections régionales à l'Est "
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Ifri-Briefing, 3. September 2026
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