Die Deutsch-Französische Brigade und der Wiederaufbau der europäischen Verteidigung
Seit Donald Trumps Rückkehr ist klar: Das europäische Einigungsprojekt ist existenziell gefährdet. Gelingt es den Europäern angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine und schwindenden US-Sicherheitsgarantien nicht, verteidigungspolitisch souverän zu werden, werden die Integrationsbereitschaft im Inneren und die Attraktivität der EU nach außen weiter erodieren.
Deutschland und Frankreich können das verhindern. Ob der politische Wille dafür reicht, lässt sich am Umgang mit der Deutsch-Französischen (DF) Brigade ablesen.
- Der Gründungskontext der Brigade, am Ende des Kalten Krieges, ist mit der aktuellen Situation vergleichbar und zeigt: Die Europäer haben mehr als dreißig Jahre Zeit zur Stärkung ihrer Sicherheit verloren.
- Die Bundesregierung muss dringend einen strategischen Dialog zur Sicherheit Europas beginnen – zuerst mit Frankreich, dann mit weiteren EU-Partnern.
- Seit Trumps Wahlsieg ist wieder von einer „EU-Armee“ die Rede. Die ist derzeit völlig unrealistisch. Die DF-Brigade wird zeigen, wie europäische Verteidigung langfristig integriert werden kann – und die NATO europäisiert.
- Der Verband ist prädestiniert, in Osteuropa deutsch-französische Führung zu demonstrieren – eingebettet in NATO-Strukturen und in enger Abstimmung mit Partnerstaaten vor Ort.
Jacob Ross ist Research Fellow der DGAP mit Fokus auf Frankreich und deutsch-französische Beziehungen. Zuvor war er als Assistent in der Parlamentarischen Versammlung der NATO und der französischen Nationalversammlung tätig, sowie in zwei Abteilungen des französischen Außenministeriums.
Nicolas Téterchen ist Doktorand an der Universität Cergy; Thema seiner Dissertation sind die Wahrnehmungen der Verteidigungspolitik in Deutschland von 1990 bis 2022. Er ist Forschungsassistent im Programm Frankreich und deutsch-französische Beziehungen am Deutschen Institut für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Zuvor war er bei der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer (AHK Frankreich) in Paris tätig.
Dieses Briefing beruht in Teilen auf den Diskussionen, die im Rahmen eines Kolloquiums im Mai 2024 in Straßburg stattgefunden haben. Organisiert wurde es gemeinsam von der DGAP und dem Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (CERFA) am Institut Français des Relations Internationales (IFRI).
Diese Publikation ist auf folgende Sprachen verfürgbar:
- Französisch: „La brigade franco-allemande et la relance de la défense européenne“ (pdf)
- Deutsch: auf der Website der DGAP: „Deutsch-französische Führung für ein souveränes Europa. Die Deutsch-Französische Brigade kann zeigen, ob der politische Willen dafür reicht“ (pdf)
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Ifri-Briefing, 8. April 2025
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